Kollege KI-Roboter – Schön, dass Sie da sind! – Beitrag im möbelfertigung Magazin

Kollege KI-Roboter – Schön, dass Sie da sind! – Beitrag im möbelfertigung Magazin

Chatbots sozial in unserem Team integrieren? Eine Willkommenskultur für KI-Roboter? Was kommt wohl als Nächstes?“, höre ich den Skeptiker sagen. „Ganz genau, das ist unsere Chance für mehr Innovation und Entlastung von lästigen Routine-Aufgaben!“, könnte ihm ein Optimist aus einem mittelständischen Möbelbetrieb entgegnen.

Ich würde ihm beipflichten, denn ein wichtiges Ziel der Agenda Industrie 4.0 ist eine Steigerung der Flexibilität in der Produktion, die durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz erreicht werden kann. Doch woher kommen Ängste, Zögerlichkeit und gespaltenen Meinungen gegenüber den neuen KI-Kollegen? Ein Teil davon scheint die Angst vor dem Fremden, vergleichbar der Diskussion um Willkommenskultur in Deutschland. Wie die Bürger beziehungsweise im Falle der Unternehmen Mitarbeiter und Führungskräfte den neuen und unbekannten KI-Projekten gegenüberstehen, steht und fällt offensichtlich auch damit, ob sie eher Chancen oder eher Risiken sehen.

Im Worst-Case-Szenario sorgen sich die Mitar- beiter um ihren Arbeitsplatz und sehen die Künst- liche Intelligenz im Unternehmen als Bedrohung an. Manche dieser Sorgen sind nach meiner Erfahrung hausgemacht, wenn KI-Projekte losgetreten werden, ohne die betroffenen Kollegen frühzeitig einzubinden. Solch ein Mangel an Transparenz und Beteiligung führt unweigerlich zu Misstrauen und Kopfkino. Nicht nur bei den Mitarbeitern, auch in der Führungsebene begegnet man häufig Skepsis und Verschlossenheit. Hier ist es weniger die Sorge um den eigenen Job als die Angst vor Kontrollverlust. Wenn in Auswahlprozessen ein Algorithmus mitentscheidet, wieviel zählen dann die eigenen Vorlieben noch? Manche Personalverantwortlichen gehen KI-Projekten bewusst aus dem Weg, da sie sich nicht in der Lage sehen, in der Rekrutierung Datenanalysten und KI-Experten auftreiben zu können. Andere Abteilungen verschließen ihre Türen, um ihre Datensilos vor dem vermeintlichen KI-Angriff zu schützen. Diese Gemengelage aus Unsicherheit kann zu Widerständen führen, die dem eigenen Fortschritt im Weg stehen.

Was also tun? Wer ein KI-Projekt im Möbelunternehmen erfolgreich starten möchte, kann als Migrationshelfer bereits vor Ankunft der neuen Kollegen die Weichen für eine offene Kultur stellen. Mitarbeiter und Kollegen sollten die Chancen der neuen Technologie für sich erkennen können. Das fällt leichter, wenn das übergeordnete Ziel sichtbar wird. Warum eigentlich KI? Was wird es dem Unternehmen bringen? Was ist der Mehrwert für unsere Kunden und Mitarbeiter? Wie stellen wir sicher, dass KI unseren Menschen dient? Wie können wir gemeinsam die Regeln festlegen und die Anwendung mitgestalten? Welchen ethischen Rahmen setzen wir uns? Eine offene Kultur erfordert gute Zusammenarbeit zwischen allen Kollegen. Migrationshelfer müssen Vertrauen und Transparenz schaffen und die neue Technologie für alle verständlich machen. Transparenz und Diskussion hilft, zu jeder Frage eine Antwort zu finden. Erfahrungsgemäß schwindet die Skepsis, wenn die neue Technologie für alle verstehbar wird und die Möglichkeit bietet, sich zu beteiligen.

Aller Anfang ist schwer, doch mit fünf einfachen Schritten lässt sich eine Willkommenskultur aufbauen:

• Die Entwicklung eines übergeordneten und gemeinsamen Ziels gibt von Beginn an Orientierung.

• „What’s in for me?“: Mit Blick auf das gemeinsame Ziel gilt es, einen konkreten Anwendungsfall zu finden, der persönlichen Nutzen stiftet.

• Der Start mit einfachem Pilotprojekt, das schnell umzusetzen ist, sichert Erfolgserlebnisse, die motivieren.

• Regelmäßige Informationsveranstaltungen für alle Mitarbeiter schaffen Transparenz und stärken Vertrauen.

• Investition in Weiterbildung rund um Data Literacy und KI hält das Team auf Augenhöhe mit der neuen Technologie.

Wenn im Team Verständnis und Know-how wachsen, aus Mitgestaltung und eigenen Erfahrungen mit den neuen smarten Kollegen, dann weicht die Skepsis in der Praxis meist einem selbstverständlichen Umgang mit Spaß am Neuen.