Neue Arbeit in neuen Schläuchen – Digital Woodpecker Teletalk 11/18

Neue Arbeit in neuen Schläuchen – Digital Woodpecker Teletalk 11/18

Wie gestaltet sich Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung? Immer wieder
fragen uns Unternehmen, welche Rolle Flexibilität, Agilität und
Individualität spielen sollten, um New Work zu leben. Mir fällt auf,
dass sich die Diskussion dabei zu oft in der Innensicht bewegt: New Work
wird zum Selbstzweck. Personalentwickler träumen von neuen
Organisationsformen und basisdemokratischer Sozialromantik,
Design-Kollegen von mehr Farbe im tristen Grau von Bürotürmen und
digitale Hipster suchen nach neuen Statussymbolen im Katalog der
Arbeitgeberattraktivität.

New Work ist mehr 

Von den Technik-Kollegen wird New Work wird allzu gern auf mobiles und virtuelles Arbeiten reduziert. Je größer der Konzern, desto schneller sind die Manager dabei, Infrastruktur zu organisieren für globale Teams, für Home Office Worker, für Mobilfreunde, die ihr Büro gerne auch im Shuttle auf dem Weg zum Flugzeug aufklappen. Sicherlich sollten Mitarbeiter die passende IT-Ausstattung nutzen und rechtlich abgesichert agieren können im Sinne von DSGO und Cyber Security. Das allein ist allerdings noch nicht New Work.

Facility Manager sondieren die Chancen von New Work, um feste Arbeitsplätze abzuschaffen und das wachsende Flächenproblem zu lösen. Dagegen kämpfen Führungskräfte alter Garde, die Sicherheit verlieren, wenn sie den Fleiß nicht mehr an abendlich besetzten Schreibtischen im Flur ablesen können. New Work fragt aber weder nach Büroräumen noch nach Präsenz oder Kontrolle. Die neue Arbeit verlangt, eine Ergebniskultur zu etablieren, unabhängig von der reinen Anwesenheit.

Betriebsratsgremien propagieren bisweilen New Work als die Vision, weniger zu arbeiten. Auch das hat nichts mit New Work zu tun. Wenn es uns gelingt, unsere Talente in den Job einzubringen, Selbstwirksamkeit und Sinnstiftung zu spüren, das zu tun, was uns Spaß macht. Warum sollten wir dann weniger arbeiten wollen?

Sinnstiftung steigert Produktivität

und Sinn. Die neue Arbeit fragt aber auch strategisch nach technologischem Fortschritt: Wie werden Menschen in unserem Unternehmen mit Maschinen kommunizieren? Wo können wir unseren Teams mit künstlicher Intelligenz Superkräfte verleihen? An welcher Stelle macht Automatisierung Sinn und wie kann das Ergebnis durch Menschenhand und –Hirn veredelt werden? Schnell stellen sich ethische Fragen, um technologische Weiterentwicklung im Sinne der Mitarbeiter zu nutzen. Unternehmenslenker und Organisationsentwickler sind gefragt, Arbeitskonzepte zu entwickeln für eine friedliche Koexistenz die Mitarbeiterinteressen mit Unternehmensinteressen in Einklang bringt. Die Chancen sind vielfältig. Automatisierung dient Gestaltungsfreiheit. Selbstbestimmung fördert Eigenverantwortung. Individualität befruchtet Agilität. Sinnstiftung steigert Produktivität.

Neue Arbeit nährt Zuversicht

Solche Fragen schüren Ängste. Wenn die Maschinen kommen und unsere Aufgaben übernehmen, was bleibt für uns zu tun? Wie gestalten wir den Übergang und wer freut sich ernsthaft über bedingungsloses Grundeinkommen ohne Aufgabe, Anerkennung und Selbstwirksamkeit? Ob am Ende 30, 60 oder 90 Prozent der heutigen Jobs von künstlicher Intelligenz ersetzt werden können, bleibt Spekulation, ebenso wie die gesellschaftlichen Auswirkungen von bedingungslosem Grundeinkommen. Bislang jedenfalls haben in der Geschichte alle technologischen Entwicklungen dazu geführt, dass neue Aufgabenfelder entstanden sind, auf die wir uns konzentriert haben. Weggefallenen Aufgaben wurden wenig Tränen nachgeweint, denn meist waren es Tätigkeiten mit körperlicher Maloche, Gesundheitsgefährdung oder Verblödungsgefahr. Das nährt Zuversicht und Vorfreude auf neue Felder, die uns glücklich machen

Fazit: Wir brauchen Mut, um unsere Arbeit neu zu definieren. New Work wird dann glaubwürdig und wirksam, wenn sie sich am Kunden orientiert. Dann stellen sich neue Frage: Wie können wir unsere Organisation aufstellen, wie Arbeitsprozesse und Zusammenarbeit organisieren, um echte Kundenprobleme besser zu lösen?