Sieg der Stimme – Digital Woodpecker Teletalk 6/18

Sieg der Stimme – Digital Woodpecker Teletalk 6/18

Das Smartphone wird getötet vom digitalen Assistenten, der künftig
unseren Alltag per Sprachbefehl organisiert.

„Das Smartphone ist tot“, sagt Amy Web und zuckt gelangweilt die
Schultern.**Die Bestimmtheit einer „quantitativen Futurologin“ ist
unterhaltsam. Die Mutter des Tech Trends Report prognostiziert, dass in
drei Jahren die Hälfte der Menschen in entwickelten Ländern zuerst ihre
Stimme nutzen um mit Geräten zu interagieren. Die Absatzkurve gibt ihr
Recht, denn die Verkaufszahlen von Smartphones gehen zurück,
kannibalisiert von Microsoft Cortana, Amazons Alexa und Google Home.
Voraussetzung für einen reibungslosen Sprachdialog ist KI und die
entwickelt sich in Riesenschritten. Zuletzt zeigte sich selbst Adam
Cheyer überrascht, der den Apple Sprachassistenten Siri mitenwickelt hat
„Es sind Dinge passiert, von denen ich nicht dachte, dass ich sie noch
erlebe.“ Ein Beispiel sind die wachsenden Fremdsprachenkenntnisse der
KI. Bei der maschinellen Übersetzung nähern sich die Entwicklerteams der
menschlichen Leistung an und haben sie bei einigen Sprachpaaren fast
erreicht. So hilft der Sprachassistent schon bald wie ein
Simultandolmetscher aus wenn mein Gegenüber eine andere Sprache spricht.
Getrieben wird die Entwicklung voraussichtlich vor allem im China, wo
aktuell massiv investiert wird in die KI-Entwicklung. Sprachassistenten
können hier noch leichter trainiert werden weil das Land, jenseitsunsere Vorstellungen von Datenschutz, Informationen über die Bevölkerung
fast unbegrenzt in die intelligente Software füttern kann.

Deutschland hinkt hinterher aber auch hier bestätigt sich der Trend:
Laut einer Studie von Canalys entwickeln sich intelligente Lautsprechern
(Smart Speaker) zum Wachstumskönig im Bereich Consumer Electronics. Der
Absatz stieg im ersten Quartal 2018 um 210 Prozent zum Vorjahr vor allem
durch Amazons Alexa und Google Assistant. Damit haben laut next.Media
Hamburg erst 14 Prozent der Deutschen einen Smart Speaker zu Hause, aber
schon 60 Prozent zeigen Offenheit, zu Hause mit einer KI zu
interagieren. 70 Prozent glauben, dass es künftig normal ist, mit der
Technik zu sprechen.

Wer als Anwender in drei Jahren zur Hochzeit seiner Schwester will, muss
Hotels, Flüge, Geschenk und Outfit nicht mehr online auf mehreren Seiten
und Apps zusammensuchen. Den Job bekommt einfach der Sprachassistenten
übergeben, der uns so gut kennt, dass er die Organisation komplett
übernehmen kann.

Was ändert sich für Händler, Hersteller und Kundenservice? Wer sich
nicht auf die Technologie einstellt wird unsichtbar, da Konsumenten
nicht mehr auf Webseiten auftauchen sondern ihre Fragen an den
Assistenten stellen. Schon heute werden 20 Prozent der Suchanfragen bei
Google per Sprache aktiviert. Wer im Spiel bleiben will, muss es dem
digitalen Helfer einfach machen. Informationen maschinenlesbar
aufbereiten, Daten auf Plattformen automatisch aktualisieren und
Kundenbedürfnisse personalisiert auswerten um dem digitalen Assistenten
relevante Angebote zu machen

Wann stirbst Du? könnten wir dann den digitalen Assistenten fragen.
Vielleicht findet er die Antwort in seinem Datenmeer.